Endlich wieder stabiler Trend zu höheren Mieten
Auf lange Sicht besteht zwar nach wie vor großer Nachholbedarf, die aktuellen Zahlen jedoch geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Im Bundesdurchschnitt stiegen die Mieten im Vergleich zu 2010 um rund 2,3 Prozent. Das ist deutlich mehr als in den vergangenen Jahr, als die Mietentwicklung unter der Preissteigerungsrate lag.
Von Tobias Krell
Auch wenn die Statistiker kurzfristig leichte Mietpreissteigerungen ausweisen: Es besteht noch reichlich Nachholbedarf. Im langfristigen Vergleich sind die Mieten seit 1995 nämlich deutlich hinter dem allgemeinen Preisanstieg zurückgeblieben. „Das kommt in immer mehr Fällen einem Sub-stanzverzehr gleich. Deshalb ist eine solche Entwicklung sowohl für Vermieter wie auch für Mieter langfristig nachteilig. Nur wenn Vermieter hinreichende Mieteinnahmen erzielen, können sie in ihre Wohnungen investieren und notwendige Zukunftsinvestitionen finanzieren“, kommentiert Haus & Grund die Ergebnisse eines Vergleichs über die vergangenen 15 Jahre, für den die Eigentümerschutz-Gemeinschaft Zahlen des Statistischen Bundesamts und des Marktforschungsunternehmens Bulwien Gesa ausgewertet hat.
Die durchschnittliche Miete für eine 70-Quadratmeter-Wohnung im Bestand war 2010 nur 11,7 Prozent teurer als 1995. Beim Erstbezug gab es sogar einen leichten Rückgang. Zum Vergleich: In dieser Zeit ist das verfügbare Nettoeinkommen um 33,1 Prozent gestiegen, noch stärker aber stiegen die Kosten für Öl (191,6 %), Gas (84,9 %) oder Strom (52,5 %). Auf dem Weg zu einer Miete, die Eigentümern noch Luft zum Atmen lässt, hat Haus & Grund darum die Nebenkosten im Visier. Dass sie weniger stark steigen, dazu soll nach Auffassung der Eigentümerschutz-Gemeinschaft der Staat einen wesentlichen Beitrag leisten, indem er die Preisgestaltung der Energiekonzerne sowie der Ver- und Entsorgungsunternehmen strikter kontrolliert und weniger Steuern auf Haushaltsenergie kassiert.
Aktuell haben viele Vermieter durchaus Grund zu vorsichtigem Optimismus. Eine jetzt veröffentlichte Untersuchung des Forschungsinstituts empirica weist für das zweite Quartal 2011 einen Mietpreisanstieg von immerhin 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Das ist zwar eine geringere Steigerung als in den vorangegangenen Dreimonats-Zeiträumen (3,1 Prozent bzw. 5,8 Prozent), dennoch eine Erholung der Mietpreisentwicklung im Vergleich zu den Vorjahren.
Bei der Entwicklung gibt es regional deutliche Unterschiede
Bei der aktuellen Entwicklung der Mieten gibt es deutliche Unterschiede, regional wie im Vergleich von städtischen Zentren (3,5 % Zuwachs) und ländlichen Räumen (nur plus 1,4 %). Die fünf Städte mit den höchsten Mieten blieben die gleichen: München, Frankfurt am Main, Hamburg, Heidelberg und Düsseldorf. Neu unter den Top 10 ist Mainz, das aus dieser Gruppe mit einem Zuwachs von 8,6 Prozent am stärksten zulegte und erstmals einen durchschnittlichen Mietpreis über der Zehn-Euro-Grenze verzeichnete (10,10 Euro, München: 12,78 Euro). Verschlechtert hat sich die Situation unter anderem in einigen Städten des Ruhrgebiets, wo Duisburg um drei, Gelsenkirchen um 4,4 Prozent verloren hat. Im etwas weiter südlich gelegenen Solingen betrug der Rückgang sogar 6,5 Prozent.
Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen sind im Vergleich zum Vorjahr um 3,3 Prozent gestiegen. Auch hier ist die Verteuerung in den Städten (4,4 %) deutlich höher als auf dem Land (2,6 %). Am teuersten ist nach wie vor München mit einem Quadratmeterpreis von durchschnittlich 3.825 Euro. Die Preise liegen nun seit fast einem Jahr über dem Niveau des ersten Quartals 2004, einer Marke, die in all den Jahren darauf nicht wieder erreicht werden konnte.
ZAHLEN & FAKTEN
Die Einkommens- und Preisentwicklung in Deutschland von 1995 bis 2010:
| Verbraucherpreise: | +21,1 % |
| Einkommen, brutto: | +16,5 % |
| Verfügbares Nettoeinkommen: | +33,1 % |
| Wohnungs-Kaltmieten | |
| im Erstbezug, 70m2: | -0,2 % |
| im Bestand, 70 m2: | +11,7 % |
| Energie- und Nebenkosten | |
| Gas: | +84,9 % |
| Öl: | +191,6% |
| Strom: | +52,5 % |
| Wasser: | +34,0 % |
| Abwasser: | +33,8 % |
| Müll: | +47,5 % |




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