Gibt es noch einen sicheren Ort für unsere Ersparnisse?
Die Folgen der Schuldenkrise im Euro-Raum haben längst auch die privaten Wohnstuben in Deutschland erreicht: Zwei von drei Eigentümern fürchten laut einer Studie derzeit um ihre Ersparnisse. Wohin mit dem Geld? Die Antwort fällt alles andere als leicht in einer Zeit, wo schon heute die Inflationsrate höher ist als der Zins auf Bank-Guthaben.
Von Harald Gruber
Natürlich ist es eine Binsenweisheit: Absolute Sicherheit gibt es nicht – weder im täglichen Leben, noch in Geldangelegenheiten. Und dennoch haben die täglichen Meldungen um immer noch gefährlichere Folgen der Staatsverschuldung längst nicht mehr nur in Griechenland ein wahres Erdbeben ausgelöst: Allein die schiere Zahl an Nullen, mit denen immer wieder neue Rettungsschirme aufgespannt werden (und für die wir einstehen müssen, wenn’s schief geht) macht insgeheim selbst den meisten Profis Angst. Für Laien ist das Ganze ohnehin längst nicht mehr durch- und überschaubar.
Kaum noch jemand vertraut dem Finanzberater bei der Bank
Allen Beteuerungen unserer Bundesregierung zum Trotz: Zwei Drittel aller privater Anleger hierzulande haben Angst, dass ihre Ersparnisse in Gefahr sind. Und auch das belegen aktuelle Umfragen: Kaum noch einer vertraut den Tipps der Bankberater. Angesichts der publik gewordenen Provisions- und Bonuspunkte-Regelungen hat es sich offenbar herumgesprochen, dass so genannten „Beratungsgespräche“ in den Hinterzimmern der Hausbank eher den Verkaufszahlen von Anlageprodukten als dem Wohl des Ratsuchenden dienen.
Ganz abgesehen davon können selbst wohlmeinende Vertriebsmitarbeiter nicht zaubern: Sichere Anlagen wie Festgeld oder Bundesschatzbriefe werfen Zinsen ab, die unter der aktuellen Inflationsrate liegen. Damit kann man also zusehen, wie die Ersparnisse jedes Jahr weniger wert werden. Alles andere bedeutet jedoch automatisch auch ein höheres Risiko. Das genau zu kalkulieren fällt jedoch auch den Profis immer schwerer, selbst wenn sie täglich viele hundert Millionen jonglieren.
Je höher die Rendite-Erwartung, desto größer ist das Verlustrisiko
Immer mehr private Sparer nehmen deshalb ihre finanziellen Angelegenheiten lieber selber in die Hand. Die einen schielen dabei nach wie vor auf eine möglichst hohe Rendite (die es jedoch nirgends auf der Welt ohne ein entsprechend hohes Risiko gibt). Immer mehr aber fragen sich schlichtweg: Wo ist mein Geld überhaupt noch sicher?
In Krisenzeiten beginnt üblicherweise die Suche nach sicheren Häfen – oder zumindest nach Anlagemöglichkeiten, die selbst ernannte Experten und Börsengurus öffentlichkeitswirksam als solche befinden. Gold wird dann immer als Reservewährung genannt, alternativ eine Flucht in den Schweizer Franken. Immobilien egal wo und in welchem Zustand werden zu „Betongold“, und dubiose Fonds, die auf den Rohstoffmärkten zocken, versprechen eine wundersame Rettung fürs Wertpapierdepot.
Doch gestandene Vermögensverwalter sind da vorsichtiger: Sichere Häfen fürs eigene Geld gibt es nicht in einer Zeit, in der sich weltweit die gesamte Finanzwelt in schwere See manövriert hat. „Die gewohnten Fluchtreflexe funktionieren nicht mehr“, konstatierte jetzt die angesehene Wochenzeitung DIE ZEIT in einem Spezial zu diesem Thema.
Beispiel Schweizer Franken: Bis vor kurzem war die Währung unserer südlichen Nachbarn eine gefragte Fluchtburg. Der Kurs stieg unaufhörlich – bis die Schweizer Wirtschaft massive Exportprobleme bekam. Daraufhin koppelten die Eidgenossen den Franken an den Euro. Steigen wird sein Kurs nun nicht mehr, sehr wohl aber kann er wieder fallen. Und nicht nur das: Jetzt hat auch noch die Schweizer Nationalbank gedroht, künftig Negativzinsen für Ausländerkonten zu verlangen. Deutsche Anleger müssten dann Geld dafür bezahlen, dass sie ihr Guthaben in der Schweiz deponiert haben. „Damit wäre dann zumindest eines sicher: Man verliert bei den Nachbarn Geld, wenn man die Risiken im Euro-Raum umschiffen will“, so die ZEIT nicht ganz ohne sarkastische Schadenfreude.
Dann also doch lieber Gold kaufen? Auf den ersten Blick scheint Gold (manche sagen: „auch Silber!“) in der Tat eine naheliegende Alternative – jedenfalls versuchen zahlreiche „Anlageberater“, ihre Klientel von wahrhaft glänzenden Perspektiven des Edelmetalls zu überzeugen. „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“, wusste weiland ja auch schon Goethe. Doch nur wenige Analysten heutzutage sind belesen genug, um zu wissen, wie dieser berühmte Faust-Vers weitergeht, nämlich mit Margaretens Seufzer: „Ach wir Armen!“
Gold: Viel Dichtung und wenig Wahrheit
Zwischen Dichtung und Wahrheit zu unterscheiden ist auch für private Anleger nicht leicht. Die Stiftung Warentest jedenfalls warnt vor einigen Risiken: Der Goldkurs unterliegt sehr großen Schwankungen, erlebt derzeit einen Höchststand nach dem anderen. Gold ist daher ein Spekulations-Objekt, keine Wertgarantie. Zudem klaffen die An- und Verkaufskurse für Goldbarren und -münzen oft weit auseinander. Und nicht zuletzt bringt ein echter Goldschatz keine (noch so kleine) Zinsen oder Dividenden – ganz im Gegenteil: Die Aufbewahrung kostet richtig Geld – ein sicheres Geschäft also in jedem Fall für jene, die ihre Kunden von Gold-Investments überzeugen konnten.
Hinzu kommt noch ein ganz anderes Risiko, das bislang nur die wenigsten Privatanleger bei der Rendite-Suche auf ihrem Radarschirm haben: Allein der amerikanische Staat hält die doppelte Menge an Gold, wie weltweit jährlich auf den Edelmetall-Märkten gehandelt wird. Wenn also die US-Regierung (aber auch so mancher Finanzminister in der Euro-Zone) jetzt mitten im Höhenrausch der Goldkurse einen nennenswerten Teil der staatlichen Goldreserven auf den Markt wirft, um damit die aus dem Ruder gelaufene Staatsverschuldung abzubauen, dann werden die Preise nachhaltig in den Keller knallen – mit fatalen Folgen auch für die privaten Anleger.
Immobilien werden wieder attrakiv
Dann also doch besser gleich dem Sprichwort folgen, das da lautet: „Heim & Herd sind Goldes wert“? Gerade Haus & Grund Mitglieder wissen sehr wohl um die Vorzüge einer Investition in Immobilien – aber eben auch um deren Risiken. Schließlich sind auch beim Kauf von „Betongold“ Wertsteigerung und dauerhafte Rendite längst keine Selbstverständlichkeit mehr.
Dennoch erlebt der Immobilienmarkt derzeit eine spürbare Belebung – und zwar nicht nur in den Ballungszentren der Republik. Immerhin hat der Maklerverband IVD zwar errechnet, dass die Wohnimmobilienpreise zwischen 1977 und 2010 fast immer stärker stiegen als die Inflationsrate – aber leider eben nur in den sieben Top-Städten Deutschlands. Dort sprechen die Immobilienexperten schon von ersten Anzeichen einer gefährlichen Blasenbildung.
In München beispielsweise galt lange Zeit als Kaufpreis das 22-Fache der Jahreskaltmiete als üblich. Inzwischen muss man an der Isar jedoch für eine Stadtwohnung schon 36 Jahresmieten überweisen, manche legen für Luxusneubauten sogar 55 Jahresmieten auf den Tisch. Ganz ähnlich sieht es in Hamburg, Düsseldorf oder Frankfurt aus.
Von solchen Verwerfungen blieb der Immobilienstandort Rheinland-Pfalz bislang verschont. Dennoch gelten auch hier im Land die drei goldenen Regeln bei Immobilien zur Geldanlage: Für die langfristige Rendite entscheidend ist erstens: die Lage, zweitens: die Lage und drittens: die Lage. Sonst erweist sich so manches Schnäppchen auf Dauer als teurer Verlustbringer.
Noch einmal ganz anders sieht es freilich aus, wenn man sein Geld in eine selbst (oder von den Kindern, Enkelkindern bzw. sonstigen künftigen Erben) genutzte Immobilie investiert: Hier beginnt die Rendite bereits beim Einzug in die eigenen vier Wände – oder nach einer grundlegenden Modernisierung beim Auszug der Handwerker.
„Sofort-Rendite“ nur im eigenen Zuhause
Ob neue eigene vier Wände oder „nur“ ein neues Bad, eine neue Küche oder ein neues Wohnzimmer: Die so gewonnene Lebensfreude lässt sich zwar nicht in Prozentpunkten ausrechnen. Dafür aber ist sie in jedem Fall sicher vor Inflation und Kursverlusten.




Mitglieder und solche, die es hoffenlich bald werden möchten.
